YesterPlay: Prophecy 1 – The Viking Child (MS-DOS, Imagitec, 1991)

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Prophecy: Viking Child DOS Front Cover
Boxart der amerikanischen MS-DOS-Version (Quelle: Mobygames)

Habt ihr auch schon mal ein ganzes Bündel an Spielen gekauft, obwohl ihr eigentlich nur eines davon wirklich haben wolltet? Oder ein paar wenige davon? Vermutlich bin ich bei weitem nicht der einzige, denn solche Kollektionen gibt es schon seit dem C64 und in der Regel sind sie weit günstiger als die einzelnen Titel zusammen. So kam ich jedenfalls zu diesem Spiel hier, es war Teil eines Bundles, das ich mir hauptsächlich wegen “Alien Rampage” kaufte. Ich kannte “Prophecy 1 – The Viking Child” zuvor nicht, die Screenshots sahen aber ganz witzig aus, also schaute ich es mir mal an. Und wurde in mehrfacher Hinsicht überrascht.

Die Story ist klassisch: Der Wikingerjunge Brian, eine echte Frohnatur, kommt vom fröhlichen Kräutersammeln zurück und muss feststellen, dass alle Bewohner seines Dorfes verschwunden sind und selbiges in Trümmern liegt. Prompt erscheint der Allvater Odin auf der Bildfläche, um Brian von einer Prophezeihung zu verkünden, die ihm Heldentaten und den Sieg über das Böse in Form von Loki und seine Schergen voraussagt. Und so schnappt sich der wohlgemute Brian seinen Dolch und zieht aus, um die Prophezeihung zu erfüllen, das Böse im ganzen Land zu bekämpfen und seine Familie aus ihrem astralen Gefängnis in Valhalla zu befreien.

Viel ist nicht von Brians Dorf übrig geblieben

Das Spiel hat übrigens nichts mit dem zwei Jahre zuvor veröffentlichten Action-RPG von Activision “Prophecy (1) – The Fall Of Trinadon” zu tun. “The Viking Child” ist ein klassischer Plattformer und für Segas “Wonder Boy” das, was die “Giana Sisters” für Nintendos “Mario Bros.” waren. Sagen wir mal, es ist sehr von “Wonder Boy in Monster Land” inspiriert. Wirklich seeeehr inspiriert. Ein passender Titel wäre auch “Wonder Boy in Viking Land” oder etwas ähnliches gewesen, so inspiriert ist es.

Wer Segas Klassiker aus der Spielhalle, vom Master System oder vom Mega Drive kennt, könnte deshalb diesen und den folgenden Absatz eigentlich auch direkt überspringen. Wie in Segas Vorbild hüpft man mit dem lächelnden Lulatsch durch Wälder, Dörfer, Höhlen, Burgen, Gebirge, etc. und erschlägt mit seinem Dolch allerlei Pilze und andere Pflanzen, Tiere, Menschen und andere übellaunige Wesen. Diese hinterlassen bei ihrem Ableben gerne mal Münzen oder Edelsteine, oft sind solche Goodies auch versteckt und nur durch einen Sprung an der richtigen Stelle auffindbar. Die Edelsteine werden dem Punktestand gutgeschrieben, die Münzen kann man bei Händlern, die man allenthalben hinter einer Tür findet, gegen allerlei nützliche Dinge eintauschen. Neben Bomben, Wurfgeschossen, Smartbombs und Lebensenergie kann man z.B. auch Spezialfähigkeiten erwerben, die Brian schneller laufen oder weiter springen lassen. Im Laufe des Spiels lässt sich auch Brians Dolch durch ein richtiges Schwert ersetzen und ein Schild sorgt für zusätzlichen Schutz.

Frisch eingetroffen: Brian! Das Stück nur 170 Goldmünzen!

Der ist auch dringend nötig, denn nicht nur die zahlreichen und immer wieder respawnenden Kontrahenten sowie die etwas zickige Kollisionsabfrage lassen die Herzchen im Nullkommanix verschwinden. Auch das Zeitlimit nagt an der Gesundheit: Jedes Mal, wenn die Sanduhr abläuft, verliert Brian ein Herz. Und die läuft leider sehr schnell ab. Dummerweise lassen besiegte Feinde nie Zeit- oder Gesundheitsboni fallen, zumindest letztere lassen sich aber bei den zahlreichen Händlern immer wieder mal aufstocken. Das gilt auch für zusätzliche Leben, von denen Brian allerdings immer nur eines mit sich tragen kann. Erst wenn das verbraucht ist, kann im Laden wieder ein neues gekauft werden. Schade, denn auch diese Einschränkung macht das Spiel nicht gerade leichter.

So schwer es stellenweise ist, so schön ist es auch: “The Viking Child” sah für die damaligen Verhältnisse echt toll aus! Andere 1991 erschienene PC-Platformer, wie z.B. “Duke Nukem” oder “Commander Keen: The Earth Explodes” (Episode 2) konnten nach wie vor nur mit EGA-Grafik in 16 Farben aufwarten. Diese ist hier zwar auch wählbar, optional bot das Spiel aber auch einen schönen, wenn auch etwas farbarmen VGA-Modus! Hier seht ihr die unterschiedlichen Versionen im direkten Vergleich:

Das absolute Highlight des Spiels ist aber, meiner Meinung nach, der Soundtrack. Dem Spiel fehlen am PC zwar jegliche Soundeffekte, die sehr abwechslungsreiche Musik ist dafür aber richtig gut, vor allem wenn man einen Roland MT-32 oder kompatiblen Midisynthesizer hat oder emuliert. Der qualitative Unterschied zwischen normalem FM-Sound und dem des Roland-Synthis ist gigantisch! Wer ihn im direkten Vergleich hören möchte, kann das in diesem Video auf meinem YouTube-Kanal tun.

Selbst die Muscheln unter Wasser haben etwas gegen Brian

“Prophecy 1 – The Viking Child” kommt zwar insgesamt nicht ganz an die Klasse seines offensichtlichen Vorbilds heran, ist aber trotzdem ein gelungener und spaßiger Plattformer für die Heimcomputer und Handhelds der frühen 90er. Es war sowohl für den PC, als auch für Amiga, Atari ST, Atari Lynx und den Gameboy erhältlich. Eine geplante Veröffentlichung für C64, Master System und Game Gear wurde bereits früh in der Entwicklung gestrichen, ebenso wie ein geplanter Nachfolger. Die MS-DOS-Version ist die einzige, die noch heute digital erhältlich ist. Und auch heute macht sie noch echt Spaß!

Ein kleiner Tipp noch für alle, die das Spiel in DOSBox spielen wollen: Lasst es mit nicht mehr als 1500 Zyklen laufen und gebt in den Einstellungen (install.exe) an, dass ihr keinen Joystick verwenden wollt, das führt zu Problemen. In DOSBox (ECE) könnt ihr die konfigurierten Tasten dennoch problemlos im eingebauten Mapper auf Euren Controller legen.

YesterPlay: Prophecy 1 – The Viking Child (MS-DOS, Imagitec, 1991)
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2 Kommentare

  1. “Wonder Boy in Wiking Land” – wunderbar getextet 🙂

    Ich freue mich, dass Du “The Viking Child” hier ein kleines Denkmal gesetzt hast. Bisher habe ich den Titel nicht gekannt, aber tatsächlich habe ich eine große Schwäche für DOS-Abenteuer in 256 Farben. Diese Spiele haben etwas – sagen wir mal – sehr authentisches. Nicht nur, weil das Gameplay den Zeitgeist so direkt spiegelt. Auch der comichafte Stil (“gemeine Muscheln”) und die insgesamt fantasievolle Ausgestaltung sprechen eine besondere Sprache. Da kann man auch das Vorkommen von “Smartbombs” bei den Wikingern verzeihen 😉

    Das es das Spiel auch für den Atari Lynx (muss ich mir wohl für meinen Lynx besorgen) oder den Game Boy gab finde ich bemerkenswert. Auf beiden Konsolen spiele ich am liebsten Platformer. Mal schauen, ob ich es bekommen kann.

    Lieben Dank auch für das Video. Das Soundtrack ist wirklich schön und schaffte es bei mir sofort wieder wohlige Erinnerungen an die “großen DOS-Abenteuerspiele” von damals zu wecken.

    Abschliessend: Du solltest viel öfter – parallel zu den Videos – auch schreiben! Du machst das nämlich ganz wunderbar und bereicherst uns damit sehr!

    3+

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