Review: SEGA Mega Drive Controller (USB) von retro-bit

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In meinem Beitrag zu meinem Selfmade-Mega-Drive-Mini habe ich ihn ja bereits angekündigt, vorgestern ist er eingetrudelt: Der offiziell von Sega lizensierte Controller im Mega-Drive-Look von retro-bit. Der kam in mehreren Varianten auf den Markt: Ganz klassisch in schwarz, oder etwas moderner, in schickem, transparentem blau. Beide Varianten sind sowohl mit dem am originalem Mega Drive verwendeten 9-poligen D-Sub-Stecker als auch in einer Version mit USB-Anschluss für den Betrieb an PC, Raspberry, etc. erhältlich. Wie die Packung bereits verrät, habe ich mich für die blaue Variante mit USB entschieden, einfach weil ich blau mag und keinen originalen Mega Drive oder (noch k)ein Mega SG besitze. Schauen wir mal, was die Box sonst noch preis gibt:

Die Verpackung

Vorder- und Rückseite der Packung

Sie lässt auf jeden Fall keinen Zweifel an der offiziellen Lizenz von SEGA aufkommen. Der wunderschöne, originale Mega-Drive-Schriftzug in Chromoptik, den hier in Europa die Packungen der Konsole und Spiele zierte, macht das mehr als deutlich. Zusätzlich ist auch noch das “official SEGA seal of quality” mit abgedruckt. Ich kann mich zwar nicht daran erinnern, das früher jemals hier in Deutschland oder sonstwo in Europa gesehen zu haben, ich glaube das war eigentlich nur in den USA geläufig. Aber was soll’s, wenn es das Pad noch offizieller macht, soll mir das nur recht sein. 🙂 Abgesehen von den groben technischen Eigenschaften in mehreren Sprachen auf der Rückseite bietet die Packung aber sonst keinen informativen Mehrwert, auch eine Anleitung ist nicht enthalten. Wenden wir uns also dem zu, was uns eigentlich interessiert:

Der Controller

Das blau ist deutlich dunkler als auf der Packung

Dieser liegt schmucklos in einem Plastikhalter in der Box, macht dafür selbst aber einiges her. Das Blau sieht in echt etwas dunkler aus als auf der Packung, es leuchtet etwas weniger, ist aber dennoch eine schöne Alternative zum gewöhnlichen schwarz. Die Farbkombintion mit den grauen und schwarzen Buttons, der roten Starttaste und dem blauen Gehäuse wirkt sehr frisch, gefällt mir echt gut! Das Material des Gehäuses sowie der Buttons fühlt sich sehr wertig an, die Tasten und das D-Pad sind angenehm leichtgängig, ohne schlabberig zu wirken. Bereits jetzt fällt die mit 3 Metern schon beinahe enorme Länge des USB-Kabels auf, das beinahe mehr Platz in der Schachtel benötigt, als das Gamepad selbst. In der Größe und Form entspricht es 1:1 dem 26 Jahre alten Vorbild, weicht aber bei der Tastenanordnung etwas davon ab. Der Mode-Button, der früher als größter Button des Pads rechts oben an der Stirnseite lag, ist nun als kleinste, runde Taste mittig unterhalb der Starttaste angesiedelt. So wurde Platz für eine neue L- und R-Taste geschaffen, dank derer man das Pad auch gut mit anderen Spielen und Emulatoren, z.B. für das SNES, nutzen kann. Sowohl am PC als auch am Raspberry Pi reagieren das D-Pad und die Tasten schnell und präzise und fühlen sich dabei tatsächlich an wie damals die am Original-Controller. Auch diagonale Eingaben lassen sich sehr treffsicher ausführen. Die beiden Schultertasten sind mit Mikroschaltern ausgestattet, die auch einen tollen Druckpunkt haben und jeden Tastendruck mit einem Klicken quittieren. Qualitativ weiß das Gamepad also auf jeden Fall zu begeistern!

Die Kompatibilität

Damals Mode-, heute L- und R-Taste

Damit man es mit möglichst vielen Spielen und Emulatoren auf möglichst vielen Plattformen nutzen kann, lässt sich der Sega Controller in zwei Modi betreiben: Standardmäßig läuft er im D-Input-Modus, kann aber auch mit X-Input genutzt werden, also wie ein Xbox-360- bzw. Xbox-One-Controller. Leider ist dieses Feature nirgends auf oder in der Packung zu finden, es ist aber auf der Produktwebseite von retro-bit erwähnt. Umschalten zwischen beiden Modi kann man im laufenden Betrieb, indem man die Start-Taste 5 Sekunden gedrückt hält. Das Gamepad wird dann getrennt und im neuen Modus wieder verbunden, es erscheint dann entweder als “USB Gamepad” oder als “Controller (Xbox 360 For Windows)” in den Gamecontrollereinstellungen. Leider bleibt der gewählte Modus nicht gespeichert, sobald ihr das Gamepad abstöpselt oder den Rechner herunterfahrt oder neu startet, geht die Einstellung verloren und muss jedes Mal neu getätigt werden. Sehr schade, gerade in Anbetracht dessen, dass das Pad auch gezielt für die Verwendung am PC beworben wird, wo X-Input eigentlich schon seit vielen Jahren der Quasi-Standard für Gamecontroller ist, ist es völlig unverständlich, warum retro-bit nicht diesen Modus als Standard ausgewählt hat.

Volle Kontrolle: Ein Logitech F710 im X-Input-Modus, der Sega Controller (groß geschrieben) und der GN6 USB von Hyperkin (klein geschrieben). Im X-Input-Modus wird der SEGA Controller als Xbox-360-Pad erkannt (rechts).
Die etwas merkwürdige Reihenfolge der Tasten

Etwas unkonventionell ist auch die Reihenfolge der Tasten bei Verwendung von DirectInput:

  • Taste 1 ist die X-Taste
  • Taste 2 die A-Taste
  • Taste 3 ist B,
  • Taste 4 ist Y,
  • Taste 5 ist C,
  • Taste 6 ist Z,
  • Taste 7 ist L,
  • Taste 8 ist R,
  • Taste 9 ist Mode und
  • Taste 10 ist die Start-Taste.

Wieso das Pad auf der Packung als “8 button arcade pad” beschrieben wird, wenn es doch eigentlich 10 Buttons sind? Gute Frage, auf die ich aber leider keine Antwort habe.

Wie dem auch sei: Solange man in einem Spiel oder Emulator seine Tasten frei belegen kann, ist das kein Problem, ist aber eine Reihenfolge vorgegeben, wir es schnell unübersichtlich, weil die Reihenfolge der Tasten eben nicht der Beschriftung und Anordnung folgt.

Und noch ein kleiner, eher persönlicher Wermutstropfen: Ich hätte ja erwartet, dass ein offiziell von Sega lizenzierter Controller für “PC, Mac und Steam” im Mega-Drive-Design zumindest mit der “Mega Drive Classic Collection” auf Steam funktioniert, ist aber nicht so. Sehr schade! Es spielt dabei übrigens keine Rolle, ob das Pad im D-Input- oder im X-Input-Modus verwendet wird. Der Controller lässt sich in beiden Modi zwar problemlos konfigurieren, außerhalb des Konfigurationsmenüs funktioniert aber keine der Tasten mehr. Genau das gleiche Verhalten zeigt auch der GN6 von Hyperkin. Aber das kann man natürlich nicht dem Gamepad anlasten, sondern muss man klar Sega und d3t ankreiden, die da einfach etwas halbherzige Arbeit bei der Umsetzung der an sich tollen Collection leisten.

Interessant wird auch sein, ob und wie sich dieser Controller mit dem im September erscheinenden Mega Drive Mini von SEGA benutzen lassen wird. Gerade in Anbetracht dessen, dass wir in Europa, anders als in Japan, wohl nur 3-Button-Controller dazu bekommen werden, wäre es natürlich toll eine Alternative mit 6 Knöpfen zu haben, die out of the box funktioniert. Aber das bleibt abzuwarten…

Mein Fazit

Alles in allem bekommt man mit retro-bits Controller also ein tolles Eingabegerät mit sehr hohem Nostalgiefaktor, der durch die zusätzlichen Schultertasten eine unauffällige aber sehr sinnvolle Modernisierung erfährt. Dass er trotz offizieller Lizenz kaum teurer ist als andere, gute USB-Controller im Mega-Drive-Design ist definitiv ein weiterer Pluspunkt, man bekommt für ca. 20 Euro ein echt sauber verarbeitetes und wertiges Gamepad.

Gerade in Prügelspielen ist das 6-Button-Layout oft Gold wert!

Die interne Software des Controllers kann mit der Verarbeitung leider nicht ganz mithalten, da hat retro-bit meiner Meinung nach ein paar unglückliche Designentscheidungen getroffen. Idealerweise verwendet man den Controller mit einem Spiel oder Emulator mit D-Input-Support und frei belegbarer Tastenzuordnung, alles andere könnte unter Umständen fummelig und auf Dauer etwas nervig werden.

Insgesamt kann man dem Controller aber jedem Fan ans Herz legen, der gerne mal Mega-Drive-Spiele am PC, Raspberry, Retro-Cade usw. spielt, auch Freunde von Prügelspielen wie z.B. “Ultra Street Fighter IV” oder der “Street Fighter 30th Anniversary Collection” kommen dank der 6-Button-Konfiguration und optionalem X-Input-Modus voll auf ihre Kosten.

Erhältlich ist der Controller für 19,99€ hierzulande bisher exklusiv bei Amazon (Reflink), sowohl in blau als auch in schwarz (Reflink).

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