YesterPlay: Monaco GP (Arcade, Sega, 1979)

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“Super Monaco GP” dürfte den meisten von Euch sicherlich ein Begriff sein. Die Rennspielserie aus dem Hause Sega war in der 16-Bit-Ära recht populär, nicht zuletzt dadurch dass mit Ayrton Senna ein echter Spitzen-Fahrer der Formel 1 als Zugpferd für den zweiten Teil gewonnen werden konnte. Seinen Ursprung hatte “Super Monaco GP” natürlich in der Spielhalle, Heimumsetzungen erschienen auf dem Amiga, dem C64, dem Spectrum ZX, dem Amstrad / Schneider CPC, dem Atari ST, auf Segas Master System, dem Game Gear und natürlich dem Mega Drive. Von der CPC-Version mal abgesehen allesamt großartige Arcaderacer mit mal mehr (Mega Drive), mal weniger Umfang (z.B. Amiga, Arcade). Doch war das Spiel schon immer ganz pauschal “Super”, oder gab es bereits etwas vor dem Superlativ? Ja, gab es. “Monaco GP” natürlich, was sonst?

Die Standversion von Segas “Monaco GP”, es existierte auch eine Cocktail-Version sowie ein Deluxe-Cabinet (Quelle: arcade-museum.com)

Obwohl ich von der Existenz dieses Spiels bereits seit langem wusste, bot sich mir erst vor ca. 2 Jahren die Gelegenheit, selbst einmal Hand an das frei drehbare Lenkrad zu legen, als ich zum ersten Mal das Flipper- und Arcademuseum Seligenstadt (kurz FAMS) besuchte. Denn dort steht unter anderem einer der Originalautomaten des Spiels, in der Upright-Variante, also als Standgerät.

Falls Ihr Euch jetzt fragt, warum ich das Spiel erst im FAMS und nicht bereits vorher schon einmal in MAME oder einem anderen Arcadeemulator spielte: Das geht schlicht und ergreifend nicht. Zwar waren die Grafiken auf der Platine des Spiels in ROMs gespeichert, die Platine hatte allerdings noch keinen Hauptprozessor, der daraus ein spielbares Spiel hätte machen können. “Monaco GP” war Segas letztes Spielhallenspiel, das mit Hilfe einer TTL-Logik realisiert wurde, die Sounds wurden von diversen Analogbausteinen generiert. Da sämtliche Emulatoren in der Regel bestimmte Prozessoren emulieren, fällt dieses Spiel somit leider durch deren Raster. Dass Ihr hier trotzdem wieder ein kurzes Video davon sehen könnt, verdanken wir einem gewissen Ben Geeves und dem von ihm geschriebenen Remake für den PC, dass das Spielhallenoriginal nahezu perfekt repliziert und das ihr auf itch.io kostenlos oder optional gegen eine kleine Spende herunterladen könnt. Das Spiel kann auch als “Pro Monaco GP” und als 8-Bit-Version mit den Features des SG-1000-Ports, der unter anderem Sprünge enthielt, gespielt werden. Darüber hinaus gibt es nun auch einen “Pursuit Mode”, in dem man von Polizeifahrzeugen verfolgt wird, einen Stunt-Modus, etc. Man bekommt mit dieser tollen Umsetzung sozusagen das komplette Paket mit Extras!

Wie zu dieser Zeit noch üblich, präsentiert sich “Monaco GP” aus einer farbenfrohen Vogelperspektive. Ziel des Spiels ist es, in der verfügbaren Zeit möglichst weit zu fahren und dabei möglichst viele Fahrzeuge zu überholen. Da die Zeit natürlich limitiert und die Strecke bekanntlich Zeit x Geschwindigkeit (s=t*v) ist, ist es natürlich ratsam, das Gaspedal ordentlich durchzudrücken und möglichst nicht mehr in den niedrigeren der beiden vorhandenen Gänge schalten zu müssen. Damit das aber nicht zu einfach wird, müsst ihr Euren Boliden nicht nur gekonnt im Zick-Zack zwischen vielen anderen Rennwagen hindurch manövrieren, sondern auch gegen Widrigkeiten wie dunkle Tunnel, Pfützen, verengte und vereiste Straßen, Brücken oder hin und wieder sogar ein von hinten heranrasendes Fahrzeug bestehen. Ist die Zeit dann doch mal abgelaufen, habt ihr noch drei Versuche, danach heißt es Game Over. Jeder Crash kostet wertvolle Zeit, bzw. ein Leben, wenn diese abgelaufen ist. Darüber, wie viel Zeit Euch noch bleibt, informiert eine heute wunderbar nostalgisch anmutende 7-Segment-Anzeige links oder oberhalb des Bildschirms, je nach der Art des Automaten. Dort seht ihr jederzeit auch Euren aktuellen Punktestand, die 5 besten Punktestände des Tages und wie viele Rennen bereits gefahren wurden.

Der “Pro Monaco GP”-Automat von 1980

1980 brachte Sega eine neue Version des Spiel als “Pro Monaco GP” in die Spielhallen. Abgesehen vom neuen Design des Automaten unterschied sich das Spiel aber nur bei der Punktevergabe etwas vom Original, für das erfolgreiche Überholen in Serie bekam man nun Bonuspunkte, die nach Rennende auf den Punktestand aufgeschlagen wurden.

Sega selbst veröffentlichte das Spiel, von einer Umsetzung 1983 für den SG-1000 / SC-3000 mal abgesehen, zwei mal neu: 1997 auf dem Saturn, in der “Sega Ages Memorial Selection Vol.2”, sowie optisch stark aufgewertet nochmals 2003, diesmal im Zuge der “Sega Ages 2500”-Reihe, für die PS2.

Auszug aus dem Flyer des Deluxe-Cabinets

“Monaco GP” ist ein recht einfach gestricktes, aber unglaublich motivierendes Spiel, das genau das erreicht, was man von einem Arcadetitel erwartet: Den Spieler wieder und wieder dazu zu bringen, noch eine und noch eine und noch eine Münze in den Automaten zu werfen. Das hohe Geschwindigkeitsgefühl und die exakte Steuerung, vor allem am geschmeidigen Lenkrad des Originalautomaten (ein Spinner ohne Lenkeinschlagsbegrenzung), sorgen für Fahrspaß ohne Ende, man hat irgendwie immer das Gefühl es das nächste Mal noch ein bisschen besser machen zu können. Der Suchtfaktor ist echt enorm! Zu gerne würde ich das Spiel auch mal im Deluxe-Cabinet spielen, ich mag die geschlossene Form dieser Modelle (s. Bild), schade dass sie so später nicht mehr gebaut wurden. Aber auch am Standgerät oder gar mit dem Gamepad am PC macht es irre Spaß!


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